Traditionell ist die Schwimm-Gala der Internationalen Naturisten-Föderation (INF-FNI) ein großes Fest. Menschen begegnen einander. Im sportlichen Wettkampf messen sie sich. Beim abendlichen Fest wird aus dem Kampf um Schwimmzeiten und Medaillen ein lebendiges Miteinander. Gutes Essen, harmonische Musik und lebhafter Tanz sorgen dafür, dass aus Fremden zumindest einmal gute Bekannte werden. Spätestens beim Abschied liegen sich die Naturistinnen und Naturisten aus ganz Europa in den Armen, versichern sich, im nächsten Jahr wieder zur INF-FNI Schwimm-Gala zu kommen. Wo immer sie stattfindet.

So ist die INF-FNI Schwimm-Gala stets ein Ort für gute Nachrichten. Bei den diesjährigen Ausscheidungen sind leider eher schlechte Nachrichten zu hören gewesen. Eine Unzufriedenheit hat sich verbreitet, als deutlich wurde, dass der Gala-Abend eine bunte Stehparty wird – anstatt eines Banketts mit feinem Kleid und edlem Anzug. Noch mehr: die Naturistinnen und Naturisten der „Association des Naturistes de Paris (ANP)“ haben Finger Food reichen lassen – statt Filet auf Gemüse an Zitronensauce.

Dies hat Naturistinnen und Naturisten aus vielen europäischen Ländern nicht gefallen. Die Erwartungen sind andere gewesen. Da hat es wenig Eindruck hinterlassen, wie die Naturistinnen und Naturisten der ANP mit begrenzten (finanziellen) Möglichkeiten einen großen Gestaltungsraum genutzt haben. Es ist nicht nur so gewesen, dass die Finger Foods eine ausgezeichnete Qualität hatten. Das Zusatz-Programm des Gala-Abends haben sie mit eigener Kraft bewältigt. Dies sollte erst einmal eine Föderation nachmachen.

Denn die Musik-Band hat aus Naturistinnen und Naturisten aus Paris bestanden. Genauso haben sie im späteren Verlauf des Abends den Disc-Jockey aus den eigenen Reihen genommen. Ein kreativer Naturist parodierte mit unterschiedlichen Kostümen den europäischen Alltag. Ein besonderes Schmankerl: der Naturisten-Chaplin, der Ballon-Figuren zauberte.

Deutlich geworden ist bei der diesjährigen INF-FNI Schwimm-Gala, dass unter europäischen Naturistinnen und Naturisten eine ganz unterschiedliche Freikörperkultur herrscht. Für die meisten ist das Nacktsein eine Lebenshaltung, die ständig (aus-)gelebt werden muss. Der Schwimm-Wettkampf ist lediglich eine zusätzliche Gelegenheit, das Nacktsein zu leben. Der olympische Gedanke steht im Vordergrund.

So stößt es bei den meisten Naturistinnen und Naturisten auf, dass der Fokus des Deutschen Verbands für Freikörperkultur (DFK) auf dem sportlichen Wettbewerb liegt. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass der DFK Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees ist. In Deutschland finden Ausscheidungswettkämpfe statt, mit denen sich die Sportlerinnen und Sportler für die INF-FNI Schwimm-Gala qualifizieren. Ein deutlich höheres sportliches Niveau und ein ausgeprägter Willen zum Medaillen-Gewinn sind die Folgen. So stößt es Naturistinnen und Naturisten aus ganz Europa auf, wenn sich die deutschen Sportlerinnen und Sportler nach dem Aussteigen aus dem Wasserbecken den Bademantel oder das T-Shirt überstreifen.

Vielen Naturistinnen und Naturisten aus ganz Europa ist es schlichtweg egal, ob sie im Adam-und Eva-Kostüm abgelichtet werden. Das Nacktsein gehört im Alltag zu ihnen. Das Fotografiert werden ebenso. So irritiert es die meisten, wenn das Gefilmt-und Fotografiert werden zu einem Problem wird.

Dies zeigt, dass es viele Missverständnisse unter Europas Naturistinnen und Naturisten gibt. Sie wegzureden macht keinen Sinn. Sie sind aus den ganz unterschiedlichen Geschichten der nationalen Naturismen zu verstehen. Deshalb macht es Sinn, sich einander mit Respekt zu begegnen sowie an der einen oder anderen Stelle auch die eigene Haltung zu überdenken. Auf Missverständnisse mit Empörung zu reagieren, dies macht keinen Sinn.

Schließlich haben die Naturistinnen und Naturisten der ANP alles getan, um die INF-FNI Schwimm-Gala zu einem großartigen Fest werden zu lassen. Da ist es irgendwie schon ein Wink der Geschichte gewesen, dass der Gala-Abend im Hauptquartier der französischen Kommunisten am Place du Colonel Fabien stattfinden konnte. Für die ganz Hartgesottenen hat es ja dann auch ein Naturisten-Essen im „Chez Gab´s“ in der Rue Jean Jacques Rousseau gegeben.

Die INF-FNI Schwimm-Gala 2019 ist Geschichte. Europäische Naturistinnen und Naturisten sollten nach vorne schauen. Und eine Botschaft besonders im Sinn haben: „United Colours of Naturism“.