An der Donau, die Johann Strauss Sohn zur Namensge-
bung seines berühmten Walzers „An der schönen
Blauen Donau“ inspirierte, gibt es zwei Länder südlich
von Wien bei Kilometer 1262 vor der Mündung der
Donau, einen schönen FKK-Strand, versteckt auf einem
geschützten Teil des Ufers, nicht weit vom Stadtrand
von Novi Sad entfernt, der Hauptstadt der autonomen
Provinz Vojvodina, der zweitgrößten Stadt Serbiens.
Die Geschichte des Naturismus in Novi Sad und seiner
Umgebung – wenn wir den alten Texten der damaligen
Presse glauben können, liegt mehr als hundert Jahre
zurück. In einer der Tageszeitungen steht ein Artikel,
der angibt, dass „in einigen Kreisen der reichen Jugend,
junge Männer und Frauen sich einer neuen Art von
Unterhaltung widmen – sie fahren mit dem Boot zu den
naheliegenden Inseln des Flusses, die vom Festland
nicht direkt erreichbar sind, um zu schwimmen und sich
zu sonnen – splitternackt!“ Natürlich, der allwissende
Journalist versuchte nicht sich der Jugend anzuschließen, um auf der gleichen Stelle einen Bericht
zu verfassen, machte aber nur eine sarkastische
Bemerkung: „Wer weiß was außer Schwimmen und
Sonnenbaden noch geschieht?Laut einer unbestätigten „Städtischen Legende“, ging
die berühmte Einwohnerin Mileva Marić, eine ausge-
zeichnete Mathematikerin, später Frau Einstein, eben-
falls dorthin, um zu schwimmen und Sonne zu tanken.
Gleicherweise ist es absolut sicher, dass die Großväter
der jetzigen Novi Sad Naturisten die Freiheit ihre Körper
der Sonne und dem Wasser auszusetzen, liebten und
genossen, ohne das „Blöde nasse Ding“ wie Otto von
Habsburg, der deutsche Kanzler die Badehose nannte
und gleichzeitig ins Wasser sprang, im Adamskostüm.
Die Wurzeln des heutigen Vereins kann kaum direkt mit
der „verrückten Party der Modejugend“ der frühen
1920er Jahre in Verbindung gebracht werden (obschon
wir Naturisten der zweiten und dritten Generation ha-
ben), aber der Verfasser dieser Zeilen kann aus eigener
Erfahrung bestätigen, dass vor fünfzig Jahren oder mehr
Leute die Vorzüge des Naturismus genossen, auf fast
derselben Stelle, wo wir es jetzt tun. Die Donau ist ein
starker Fluss, somit ändert das Ufer konstant und nimmt
neue Formen an. Anfangs wurde die soziale Nacktheit
ohne Organisation, spontan praktiziert, so wie in der
DDR, ohne Zaun, ohne Verein, sogar ohne die Verpflich-
tung, dass jeder nackt sein muss. Zu jener Zeit war der
Strand bei den Wasserständen im Sommer über einen
Kilometer lang, mit einem weiten Sandufer, im Sommer
mit Wassertemperaturen im Hauptstrom der Donau von
21-24ºC. An heißen Sommertagen kamen mehr als 1000
Badende, wovon mindestens 950 völlig nackt waren, die
übrigen 50 passten sich allmählich an, überwanden
Scham und Verlegenheit, und viele schlossen sich bei
der zweiten oder dritten Gelegenheit der Mode der „loka-
len Volkskostüme“ an: Adam- und Evakostüm.
Da diese Insel, ein Naturisten-Paradies, das im vorigen
Jahrhundert bereits an das Festland angebunden wurde,
sich wegen der Urbanisation näher an die neuen Wohngebiete wiederfand, wurde es irgendwann klar, dass
FKK nur überleben könne, wenn wir einen Zaun um das
Ganze von uns genutzte Gebiet bauen würden.
Daraufhin gründeten wir die Vereinigung der Bürger mit
dem Namen FKK-Verein Kamenjar, was der Ortsname
ist, wo der Strand sich befindet.
So wie die Urbanisierung immer näher und näher kam,
wurde der Zaun immer höher; zunächst war er klein,
aber vor einigen Jahren wurde er durch einen neuen
ersetzt, mit kräftigen Säulen und einem neuen Tor – die
Umstände zwangen uns aufzuteilen, nicht zu unserer
Sicherheit, sondern zur Sicherheit derjenigen „draußen“.

Selbstverständlich ist der Verein für all jenen offen, die
unsere Weltansicht teilen und akzeptieren, es ist ein un-
politischer und geschlechtsneutraler Verein: wer eine
Geschichte über Politik anfängt, zahlt eine Strafe in die
„Kaffeekasse“, und wer die Normen des anständigen
Verhaltens in irgendeiner Form nicht respektiert, wird
vom Strand entfernt mit der Aufforderung nicht
wiederzukommen. Letzteres ist sehr selten, und die
„Kaffeekasse“ ist seit langem leer.
Unser Verein hat Verbindungen mit dem Verein „NaVKE“
in Budapest und mit dem „Sziki Naturista Club“ aus
Szeged in Ungarn geknüpft, was sich in gelegentlichen
Besuchen in beiden Richtungen widerspiegelt, und unter
den Mitgliedern des NKK gibt es Leute von unserer
multinationalen lokalen Gemeinschaft (Serben, Ungaren,
Deutsche, Kroaten, Slowaken, Rumänen), aber wir haben
auch Ausländer: Italiener, Polen, und sogar ein Mitglied
aus einem Land des „Mittleren Ostens“, der zuhause von
Naturismus nur träumen kann…..
Die Zeit wird zeigen was die Zukunft für unseren Natu-
risten Verein bringen wird. Im dritten Jahrzehnt des
21. Jahrhunderts streckt sich die Stadt ganz rund um
uns herum, eine prächtige (vierte) Brücke wird ein Kilo-
meter entfernt über die Donau gebaut, (der Bau begann
nur drei Tage, nachdem die INF-FNI Delegation unseren
Strand besucht hatte), wodurch es einfacher wird uns zu
erreichen (worüber wir aber keineswegs erfreut sind).
Es gibt langfristig Pläne einen Park-Wald für Sport und
Erholung in diesem Gebiet zu bauen, und ob es guten
Willen gibt (wir verhandeln mit der Stadtverwaltung),
dass unser Strand da hineinpasst und der erste staat-
lich anerkannte und eingezäunte FKK-Strand in Serbien
wird – die Jüngeren werden das sehen, das kann noch
viele Jahre dauern.
Im Moment sind wir allein und niemand zwingt uns von
hier wegzuziehen.
Autor: Géza LENNERT.
Naturist seit 1969.
(Der Autor wurde 1952 in Budapest geboren, ein
pensionierter Journalist, seine zwei Töchter und vier
Enkelkinder wurden an den FKK-Stränden des
ehemaligen Jugoslawiens sozialisiert.)