Die FKK-Doktrin „ist nicht die moderne Träumerei einiger begeisterter Visionäre“, erklärte Dr. Joseph Poucel in seinem Buch „Der Naturismus oder die Gesundheit ohne Drogen“ (1953). Seiner Meinung nach könnte man bis Pythagoras (6. Jhd. v. Chr.) zurückgehen, um ihre Ursprünge zu entdecken. Durch das Kombinieren von Sport und Spiritualität zielt sein Bildungssystem darauf ab, Körper und Geist seiner Schüler zu vereinen. Ein Unterricht, der Hippokrates (460 v. Chr. – 377 v. Chr.) mit der alten Hydrotherapie und der Behandlung von Krankheiten ankündigt.
Die Heliotherapie und dessen Wohltaten wurden seit der Antike bei den Griechen und den Römern (Plinius der Ältere) eingesetzt und anerkannt. Während des Mittelalters vernachlässigt, erschien sie im 18. Jhd. wieder, dank der Arbeit von Pomme in Frankreich (1763), dann im 19. Jahrhundert unter der Federführung von Giannini in Italien, von Fleyer und Carrié in Großbritannien, von Dr. Gillebert-Dhercourt, Direktor eines Heliotherapie Zentrums in Nancy (1840), von Hahn in Deutschland, sowie von Priessnitz.
Aber der markanteste unter ihnen ist der Österreicher Arnold Rikli, „der Doktor der Sonne“, Autor des Buches „Natürliche Medizin und das Sonnenbaden“. Um 1830 eröffnet er in den Bergen von Triest ein Institut für „atmosphärische Heilung“, das während mehr als zwanzig Jahre betrieben wurde. Der deutsche Arzt Seb Kneipp (Autor von „Meine Wasser- oder medizinische Hygienekur für die Heilung von Krankheiten und der Gesundheitsschutz“, ausgegeben in 1891) erklärt, dass er sich „von einer immer stärkeren Trägheit der Glieder“ erholt hat, indem er seit 1849 im Winter zwei-dreimal pro Woche in der Donau geschwommen ist.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert, behandelt Dr. Rollier die Knochentuberkulose mit großem Erfolg durch Sonnenbaden auf der Terrasse eines Sanatoriums in den Bergen, in Leysin (Schweiz).
Neben der hygienischen Strömung beobachtet man im Laufe der Jahrhunderte eine Strömung der Suche nach Einfachheit und Wahrheit durch völlige Entblößung. Sehr verschieden vom Naturismus wie wir ihn verstehen, und ohne jeglichen Einfluss auf den Rest der Gesellschaft, sind die Adamiten, „ketzerische Christen“, trotz ihres ultra-minoritären Charakters, repräsentativ für das Fortbestehen dieser Strömung zwischen dem 3. Jahrhundert nach Chr. und dem 19. Jahrhundert. Sie praktizierten religiöse Riten in totaler Nacktheit, Männer und Frauen gemischt, und lebten sparsam.
Der heilige Franziskus von Assisi (1181-1226), ein nicht-ketzerischer Christ, befand sich mit seiner öffentlichen Demonstration in dieser Strömung, als er sich gänzlich entblößte, um seine spirituelle Entwicklung zur Suche nach einer Lebensweise zu zeigen, welche er als authentischer hielt, obwohl er der Sohn einer wohlhabenden Familie war. Er wollte „nackt dem nackten Christus folgen“.
Das Wort „Naturismus“ wurde erstmals 1768 von Théophile de Bordeu in seinem, in Lüttich veröffentlichen Buch „Forschung über die Geschichte der Medizin“ gebraucht, im Rahmen seiner These an der Fakultät der Medizin in Montpellier, Frankreich.
Diese FKK Medizin geht davon aus, dass die Natur nicht nur die Grundlage des Lebens ist, sondern auch die Funktionsweise viel tiefer regelt als es scheint, sowohl was die Krankheiten betrifft als auch das was uns am Leben hält. Diese Wissenschaft macht den Organismus zum Sitz der lebenswichtigen Bekundung. Es geht darum, die Natur als Richtlinie zu nehmen, deshalb das Wort „Naturismus“. Hier steht „Natur“ als unsere innere Natur, das heißt die Lebenskraft, die uns am Leben hält. Die Natur wirkt wie eine Heilkraft, so wie das hippokratische Gebot „vis naturae medicatrix“.
Dieser medizinische Hygienismus ist ebenfalls eine Rückkehr zu den hippokratischen Traditionen sowie eine gesellschaftliche Kritik. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entfernten wir uns mehr und mehr von jeglichem Kunstgriff, im Gegensatz zum aristokratischen Kodex. Die Kleidung ist nicht mehr das einzige Bollwerk gegen übelriechende Ausdünstung (Miasmen). Von Make-up und anderen Pudern befreit, ermöglicht die Haut die Freisetzung von Lebenskräften, um das eigene Überleben zu sichern.
Mit der „Société d’hydrologique médicale de Paris“ ( Gesellschaft für Medizinische Hydrologie in Paris) näherten sich die Hydrotherapeuten um 1953 den Promotoren der Hydrotherapie und schufen somit einen hygienischen Korpus mit sozialem Ziel, und dadurch die Physiotherapie. Die verschiedenen Methoden der Regeneration des Lebewesens, nämlich Aerotherapie (Bergluftbehandlung), Heliotherapie, Klimatherapie und Hydrotherapie, brachten die Wissenschaftler dazu, über die Eigenschaft der Seeluft nachzudenken. Diese Kombination der Therapien führte zu einer modernen Thalassotherapie, um zunächst gegen die chronischen Pathologien wie Rachitis, Tuberkulose, Lungenphtisis (Lungenauszehrung) oder Scrofulose (Geschwulst) zu kämpfen.
Diese Behandlungen hatten stets eine naturistische Veranlagung, in dem Sinne, dass man Patienten im Kontakt mit der Natur und seinen Elementen abhärten wollte, um ihre Abwehrkräfte zur Entfernung der Miasmen anzuregen. Die bekanntesten Beispiele in Frankreich befinden sich in Berck, wo 1857 die Ärztin Duhamel Kinder mit Rachitis nackt der Seeluft aussetzte; in Arcachon, in den 1860er Jahren, das sich zu einem Behandlungsort für Tuberkulose-Patienten entwickelte; In Hyères wo 1880 der Arzt Vidal ein Sanatorium für Thalassotherapie gründete, ebenso wie der Pfarrer Legré 1907 in Marseille.
Die Hydrotherapie erlaubte der Bevölkerung sich der Existenz ihrer Haut bewusst zu werden, ehemals beschämend unter Lagen von Kleidungsstücken versteckt, und der Notwendigkeit sich regelmäßig zu waschen.
So findet man in 1843 im Buch „Therapie und Diätetik des kalten Wassers“ von Dr. Geoffroy, ein Schüler von Priessnitz, eine starke Kritik an der Kleidung, den übermäßig bedeckten Betten, den baufälligen und geschlossenen Unterkünften. Im Eifer von allgemeinem Protest widersetzten sich die Anhänger des Kneippismus auch den Kleidungsformen, welche die Körper quälen und deformieren. Ebenso wurde der Begriff der Mäßigkeit und Gewichtung der Ernährung zu einem der Themen, die von den Brüdern Durville und von Dr. Poucel im 20. Jahrhundert weit verbreitet wurden. Diese Interpretation einer Gesundheit, die von einer gesunden Lebensweise abhängt, ist ein Wendepunkt in der Medizin des 19. Jahrhunderts und wurde zur Grundlage für das Denken der FKK Ärzte im 20. Jahrhundert.
Élisée Reclus, der Vater des modernen Naturismus.
Mit Ausnahme von Walt Whitman, der nach 1836 ein Landleben in völliger Nacktheit im US Staat Dakota führte, lasst uns die Grundlage des naturistischen Denkens in Europa festlegen, mit dem französischen Geografen und Philosophen Élisée Reclus (18301905), dessen Beispiel, Konferenzen und Schriften deutlich mehr wiegen als die oben erwähnten, spezialisierten Therapeuten.
Historisch gesehen ist es also wohl die völlige Nacktheit, welche die Anfänge des Naturismus‘ charakterisieren. Élisée Reclus, der erste hochrangige Theoretiker zu diesem Thema, sowohl im sozialen Bereich wie im hygienischen Bereich, praktizierte ebenfalls mit der Familie und seinen Freunden und er dachte nie daran beim Schwimmen eine Badehose zu tragen.
Genialer Geograf, seine literarischen Werke sind eine Mischung von wissenschaftlichen Analysen, welche mit Poesie die Schönheiten des Universums beschreiben, wie z.B. „Geschichte eines Baches“ (1869) oder auch „Die neue universelle Geografie“ (1875-1894). Als anarchistischer Philosoph, der sich Napoleon III widersetzte, konnte seine rebellische, entschieden der Freiheit des Menschen zugewandte Persönlichkeit nichts anderes wählen als ein Leben frei von jeglichem Überfluss und falschen Vorwänden. In seinem posthumen Werk „Der Mensch und die Erde“ (1905) gab er seine Vision einer Beziehung zwischen Mensch und Natur an, welche als Grundlage für das naturistische Denken im 20. Jahrhundert dienen wird. Viele betrachten ihn als den „Vater der FKK-Bewegung“.
Zwischen der modernen Medizin und der pasteuristischen Revolution
Die, durch die Immunologie verstärkten Thesen der FKK Medizin kehren anfangs des 20. Jahrhunderts zurück. Durch die Ängste des Industriezeitalters gefestigt, verbinden sie die ideale Vision einer sonnigen Gesellschaft, in sauberer Luft und Licht.
Schritt für Schritt führen Hydrotherapie, Aerotherapie, Heliotherapie oder Physiotherapie zu einem hygienistischen Konzept der neo-hippokratisch inspirierten Medizin, wo die Nacktheit immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Es sind die FKK Ärzte die ab 1911 mit Demarquette und dem „Trait d’Union“, und die Durville mit ihren FKK Institut in 1913, die diese Bedenken auf dem neuesten Stand führen werden.
Dank dieser Sensibilisierungsarbeit für Hygiene und Gesundheit erklärt, im Juli 1936, Léo Lagrange, erster Beigeordneter Staatssekretär für Sport und Freizeit, in der Zeitschrift „Naturismus“ den „kostbare Nutzen der FKK Bewegung“ zu würdigen, und lädt die Ärzte Durville zu seinem Werk beizutragen, das er im Bereich der Freizeitorganisation begonnen hat.
Man kann also mit dem Historiker Arnaud Baubérot davon ausgehen, dass diese neue Aufmerksamkeit dem Körper gegenüber die Bevölkerung darauf vorbereitet hat, seine Ess-und Kleidungsgewohnheiten zu ändern, oder zumindest einen kritischen Geist in Bezug auf die von der Bourgeoisie auferlegten Regeln des Anstands zu bewahren. Um es grob zusammen zu fassen kann man sagen, dass die Hydrotherapeuten und ihre Kunden den Weg für die FKK- Hygieniker vorbereitet haben, die einfacher über die Exhibition des nackten Körpers an die frische Luft argumentieren konnten.
Deutschland und die Freie Kultur
Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts stützt sich der Idealismus (Kant, Fichte, Hegel) auf den im Protestantismus sehr vorhandenen Werten der Achtung der Gewissensfreiheit und der individuellen Freiheiten, um das Konzept der Autonomie der individuellen Vernunft zu entwickeln. In seinem Philosophiekurs verbindet sich Hegel mit dem Kult der Vernunft, der dem antiken Griechenland sehr am Herzen liegt, was er Kunstreligion nennt, mit seinen großartigen, in den Statuen verewigten Nacktheiten. Der Begriff der Würde des nackten Körpers kommt kraftvoll gestärkt hervor.
Aber das Konzept der von Schelling, einem anderen deutschen Philosophen dieser Epoche, entwickelten Naturphilosophie, wird oftmals falsch verstanden (dieser größere Irrtum stand zum Beispiel im Wikipedia des 6. Septembers 2020, beim Artikel „Lebensreform); es gibt da keinerlei Verbindung zu dem, was zum Naturismus wurde, noch zur Liebe zur Natur. In Wirklichkeit handelt es sich um eine wahre Regression im wissenschaftlichen Gedanken, ein sehr überraschendes Phänomen unter den Aposteln der Vernunft. Kurz gesagt, durch den Fortschritt des wissenschaftlichen Denkens widerspricht dieses Konzept der Beseitigung von allem, was einen metaphysischen Aspekt haben könnte, wobei es eben diese Beseitigung ist, welche die immer schnelleren und tiefsinnigen Fortschritte der Wissenschaft ermöglicht hat. Die Anhänger der Naturphilosophie gehen gar soweit, die Mathematik als Werkzeug zum Verständnis und der Messung der Physik abzulehnen!
Aber in einer dialektischen Bewegung befreite sich der große Schriftsteller Goethe (1749-1832), der der Naturphilosophie erst nahestand, davon und ging soweit , ihren wissenschaftlichen Wert in Frage zu stellen. Andererseits behielt Goethe von seinem Zeitgenossen Hegel den Geschmack für die griechische Statue und ging nackt in den Fluss baden. Er bestätigt: „Der einzig wahre Mensch ist der nackte Mensch“. In diesem Sinne kann man Goethe als einen Teilvorläufer des Naturismus betrachten.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert erschien in Deutschland und in der Schweiz die Ideenbewegung der „Lebensform“, welche den Exzessen und Belästigungen der Anfänge des Industriezeitalters und der schlecht kontrollierten Entwicklung des Stadtlebens widersprach. Diese spontane Bewegung basiert nicht auf einer organisierten Struktur.
1888 wurde die „Vereinigung der deutschen Gesellschaften für eine Lebensweise und Pflege gemäß der Natur“ gegründet. Der Begriff „Nacktkultur“ wird von Heinrich Pudor 1903 erfunden, um bei den Behörden einen klaren Unterschied zwischen Nacktheit und Pornografie festzulegen. Die „Wandervögel“, eine Bewegung der deutschen Jugend, wenden diese Rückkehr zur Natur dann durch gemeinsame Nacktheit an.
Auch in 1903 wurde das erste Turnzentrum durch Paul Zimmermann gegründet: der „Freilichtpark“ wird bis 1981 fortbestehen. Im Jahre davor, ist die Monatszeitung „Die Schönheit“ das erste weltweit führende FKK Magazin.
In 1930 zählt Deutschland 300.000 eingetragene Mitglieder, Frankreich kommt gerade mal auf 6.700. Frankreich erhielt mit dem „Sparta-Club“ von Kienné de Mongeot erst 1928 sein erstes Turnzentrum. Zu dieser Zeit hatte Frankreich die Besonderheit, auch nicht-gymnastische“ FKK Zentren zu haben, das heißt mit obligatorischem Tragen einer Badehose. Man wendet die Essens- und Sportregeln der FKK-Doktrin an, aber ohne kollektive Nacktheit. In Deutschland sind alle Zentren der „Freikultur“ Naturisten.
Eine Frage der nicht so offensichtlichen historischen Interpretation
Eine genaue Chronologie einer gesellschaftlichen Entwicklung zu haben, deren Gedanken sich durch ihren Eklektizismus gekennzeichnet sind, ist eine richtige Herausforderung. Um Irrtümer im Bereich der Geschichte zu vermeiden, lasst uns die endgültigen Bestätigungen vermeiden, aber die offenen Debatten vorziehen. Jedoch schließen die meisten Werke, die sich mit der Geschichte des Naturismus befassen, diese Debatte mit der Behauptung aus, dass Deutschland der Ursprung der FKK Bewegung ist. Das ist eine bedauerliche historische Abkürzung. Die Beispiele von Boucher de Perthes gegen 1850, in Abbéville, des Dr. Duhamel in Berck in 857, von Élisée Reclus in 1875, der libertären Naturgemeinschaften der Normandie mit Emile Gravelle (1895) und Eugène Dufour (1901), von Sirius Gay in 1904 in Bois-Fourgon, von Théo Varlet in Cassis in 1905, des Domherrn Legré in Marseille in 1907, ohne die französischen, belgischen und schweizerischen Vorläufer der Heliotherapie und des naturistischen medizinischen Denkens Ende des 19. Jahrhunderts zu aufzuzählen, beweisen uns, dass man dieser Behauptung misstrauen sollte. Ohne zu vergessen, dass die Geschichten über das Eintauchen in die Natur bei Jean-Jacques Rousseau eine „künstlerische“ Dimension jenseits des Rheins annehmen, die sich als maßgeblich für die Entwicklung der Freikörperkultur erweisen wird. Frankreich hatte seine Anhänger und Theoretiker, lange bevor man wusste, was in Deutschland geschah.
Bemerkenswert jenseits des Rheins war jedoch, dass diese Nacktheit eindeutig angenommen und gezeigt wird, während in Frankreich die physischen Übungen oft in Unterwäsche mit „Hebertismus“ (Bem. Philosophie von Georges Hébert, für Naturelle Methoden des Sports) praktiziert wurden, was für die damalige Zeit bereits revolutionär war). Auf unserem Territorium war die totale Nacktheit verboten. Sogar im „Levant“, zogen sich die Gymnisten wieder eine Unterhose an, damit die illustrativen Fotos keinen Skandal verursachten konnten. Bei unseren Deutschen Nachbarn war die Nacktheit bereits seit 1920 legal. Bei uns musste diese Praxis Teil einer hygienischen Rechtfertigung sein, um die Unterstützung seitens der Behörden zu erhalten.
Und die anderen Länder?
In England kam die Entwicklung der Sitten durch den Sport zustande, dank des Slogans „To keep fit“ – „Fit bleiben“. Die regelmäßige Ausübung von Sportarten wie Tennis oder Schwimmen erlaubte nach und nach eine gewisse Vereinfachung der Kleiderordnung.
Um 1900, bildete sich eine Gruppe, um in Südirland integrale Gymnastik zu betreiben, während eine andere Gruppe sich mit FKK Aktivitäten in Nordengland beschäftigte (Integral leben“, 15.02.1932).
Diese Umgruppierungen wurden unter der Leitung von M. Booth durchgeführt, der 1924 die „Gymnosophical Society“ (Gymnosophische Gesellschaft) gründete, die jedoch von den Behörden aufgelöst wurde, diese beendete 1927 ihre Aktivitäten, und verschiedene kleine informelle Gruppen wurden gebildet. 1934 empfängt England in einer Villa nahe London den ersten offiziellen FKK Kongress (Paris Soir, 4.09.1934).
Zu dieser Zeit waren es zweitausend Praktizierende in fünfzehn Vereinigungen.
In der Schweiz gruppierte 1904 ein reicher Niederländer, Henri Ordenkowe, deutsche Aktivisten der Bewegung „Lebensreform“ in Ascona, auf einem Gelände, das er am Ufer des Lago Maggiore gekauft hatte. Sie gründen die FKK Kolonie „Monte Verità“, eine anarchistische vegetarische Gemeinschaft, welche trotz einiger interner Spannungen bis 1920 existierte.
In Spanien gründet 1926 Nicolás Capo (1899-1977) das FKK Magazin Pentalfa, das er bis 1937 leitete, bevor er vor dem Franco-Regime floh, um in Frankreich Zuflucht zu suchen. Einige Gruppen bildeten sich wie jene in Timba in Oberkatalonien, im Juli 1933 durch Denunziation von der Polizei gestoppt und aufgelöst.
Bis 1930 badeten sich die Russen nackt auf mehreren Stränden in der jungen Sowjetrepublik, nämlich in Moskau und am Schwarzem Meer, obschon sie manchmal von den Frauen getrennt wurden. In 1924 bildete sich die Bewegung „Nieder mit der Scham“ um die „bürgerliche Moral“ anzuprangern. Die Demonstranten marschierten nackt und riefen den Slogan „Wir Kommunarden brauchen keine Kleidung, die die Schönheit des Körpers bedeckt! Wir sind die Kinder der Sonne und der Luft“! Stalins Machtergreifung setzte dieser Hoffnung auf Freiheit en Ende; die Historiker des Stalinismus weisen auf die aggressive Prüderie des Kleinen Vaters der Völker hin.
In den USA ließ sich 1933 eine FKK Kolonie mit dem Namen Élysia auf den Hügeln des Elsinore Sees in Kalifornien nieder, bevor sie nach Riverside County umzogen, wo sie sich in „Olympic Fields“ umbenannten. Hobart Grassey, Diplomierter Psychologe, und seine Frau Laura leiteten diese erste FKK Niederlassung zum großen Erstaunen der Behörden. Es war der Ort des sensationellen Berichts, der 1935 in den französischen Kinos gezeigt wurde: „Das Tal der Nacktheit“.
Wir stellen in dieser kurze Retrospektive fest, dass die Ursprünge unserer Bewegung schwieriger zu bestimmen sind, als es scheint, es ist seine Diversität die sie eigentlich so reich macht, und es ist unsere Pflicht, diese Vergangenheit nicht zu vergessen und sie dauerhaft zu machen, damit diese Freiheit für die kommenden Generationen weiterleben kann.