Ich erinnere mich daran, dass ich Anweisungen für die
Fahrt auf dem Lande in Massachusetts und später in

Ontario folgte, um einen FKK Club zu finden.

„Dritte Nebenstraße, 22. Gelber Briefkasten großes

Dreieck“, und ähnliche Wörter. Es war, als ob man

einen Drogendealer finden sollte. In der Nähe von

Denver waren die Anweisungen sehr vage, in dem

Maße, dass meine müde Frau und ich aufgaben, und in

die Stadt fuhren, um in einem Hotel zu übernachten.

Welch eine schöne Abwechslung, um nach Europa zu

ziehen und riesige Schilder auf der Autobahn zu sehen:

„FKK Camping, 10 km“. Es ist nicht schwieriger als

einen McDonald‘s zu finden. Auch die nicht-deutsch

sprachigen Länder, wie Ungarn, verwenden „FKK“,

weil alle Leute wissen, was es bedeutet.

Welch eine erstaunliche Veränderung von Zeit und Ort.

Im Internet erfuhr ich, dass in der Nähe von Wien ein

Teil der Donau-Insel eine Zone mit der Bezeichnung

„FKK“ zum Nacktschwimmen hatte. Die Donau-Insel ist

eine künstliche Insel, mit einer Länge von 13 km und

einer Breite zwischen 63 und 180 m, welche durch das

Aufschütten von Schlamm auf de Donaubaggerungen

zwischen 1972 und 1988 entstand. Es gibt keine Autos,

aber man benutzt Fahrräder, Inlineskater, Schwimmen

oder Kanufahren.

Es gibt einige Bars und Restaurants, und (kaum zu

glauben) ein Schwimmbecken. Die Insel hat etwa drei

Millionen Besucher pro Jahr und es beinhaltet eines

der größten Musikfestivals in Europa. Ich hatte Be

such von zuhause aus Kanada und wir fuhren mit der

U-Bahn zur Insel, trotteten endlos in der Sommerhitze

auf der Suche nach dem Nacktbereich. Am Ende gaben

wir auf, sprangen kurzerhand zwischen den Gebüschen

zum Flussufer. Niemand beschwerte sich.

Jahre später, erzählte mir eine Amerikanerin, die in

Wien lebte, dass ich Richtung Süden hätte gehen müs

sen, anstatt zum Norden hin, als ich die Insel besuchte.

Wir beide fuhren mit dem Rad vom Praterstern Park

zu einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer, eine

spiralförmige Rampe hinunter auf die Insel und nach

Süden zum großen FKK- Schild.

Ein anderes Mal versuchte ich die Entfernung zu Fuß zu

gehen, weil ich ohne mein Fahrrad in Wien war, aber

es schien so weit weg, dass ich aufgab und wieder

zwischen den Büschen hineinsprang. Auch dieses Mal

beklagte sich niemand. Die erstaunliche Neuigkeit ist,

dass es auf der anderen Seite des Flusskanals, was

man das Festland nennen könnte, einen Bus (92B) gibt,

der zu fünf verschiedenen Haltestellen entlang der rie

sigen FKK-Zone führt. Jede Haltestelle verbindet zum

Nacktbereich der Donau. Es gibt eine Anzahl von Park

plätzen gleich neben der Autobahn, nur wenige Meter

von der FKK-Zone entfernt. Die meisten haben ein

Restaurant oder eine Snackbar. Auf einem der Parkplät

ze braucht man nicht bekleidet zu sein, um etwas zu

bekommen. Keine verschlüsselten Anweisungen, keine

mysteriösen Briefkästen. Der Naturismus ist so popu

lär, dass die Zone mit den nackten Leuten sich zum

Westen hin ausgebreitet hat, so dass die Zone prak

tisch die doppelte Größe der durch Schilder markierte

Zone hat, und in Wirklichkeit ist sie auf beiden Seiten

des Kanals fast 5 km lang, oder 10 km insgesamt.

Es gibt interessante Unterschiede zwischen den bei
den Seiten. Da wo der Zugang leicht ist, hat jeder sein

Feldbett zum Sonnenbaden, oft mit einem zusätzlichen

Schutz für den Kopf des Sonnenanbeters, so dass die

Augen nicht verblendet werden. Die Menschenmenge

ist älter und weniger fit (vom Auto abhängig). Auf der

Seite der Donau-Insel gibt es fast keine Gartenmöbel,

die Leute kommen mit dem Fahrrad oder zu Fuß (sehr

weit). Sie sind weniger beleibt. Der Bereich ist nicht zu

100 % nackt, sondern eine Mischung von Bekleideten

und Unbekleideten, inklusive einen Gay Sektor (nicht

so ausgewiesen, aber klar genug).

Mein Fazit ist, dass es sich wie ein Sieg anfühlt.

So wird die Welt aussehen, wenn wir die Akzeptanz

für das Nacktleben „gewonnen“ haben, da die Rechte

der Schwulen jetzt angenommen werden. Man braucht

keine Hintergrundprüfung zu bestehen.

Man braucht nicht zu beweisen, dass die Person die

einen begleitet, die legitime Ehefrau ist. Es gibt kei

ne Zäune. In kleineren FKK-Vereinen sind die Zäune

notwendig, um Eindringlinge und Gaffer fernzuhalten,

was mir das Gefühl gibt, ich wäre in einem Zoo oder

in einem Gefängnis mit minimalen Sicherheitseinrich

tungen. Dies fühlt sich an wie eine Bestrafung wegen

bizarren Ideen, die so viele respektable Leute „scho

ckieren“. Es gibt keine Sicherheitsbeamte und keine

ausgehängten Regeln. Es ist ein Traum für Anarchisten,

dass die Leute ihren gesunden Menschenverstand

benutzen und sich selbst regulieren.

Dies ist ein

Vorgeschmack auf die Welt

wie sie sein könnte.

Richard Fuchs